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Ich wache auf. Aktiviere „Laichzeit“ von Rammstein auf meinem Handy; wie spät ist es? In letzter Zeit schlafe ich schlecht durch, eigentlich gar nicht durch. Egal, ich stehe auf. Öffne die Tür. Schalte das Licht ein. Ich brauche lange. Das Lied ist aus. Eigentlich dauert es über vier Minuten, das Lied. Ich höre nicht, was danach für ein Lied kommt. Ich merke nicht, dass danach plötzlich das Licht aus ist. Trotzdem kenne ich den Weg. Ich gehe zum Computer. Warum ist das Licht aus? Schalte es wieder ein. Schalte den Computer unbenutzt wieder aus. Draußen rüttelt der Wind zusammen mit dem Regen an den Jallousien. Ich gehe wieder schlafen, also schalte ich das Licht ein. Mein Computerzimmer und mein Schlafzimmer liegen durch die Küche voneinander getrennt. Ich zünde mir eine Zigarette an. „Rauchen kann Dich umbringen, das macht die Attraktion aus“, soll Damien Hirst gesagt haben. Das Küchenlicht brauche ich nicht mehr, also aus, zusammen mit dem Einschalten des Schlafzimmerlichtes. Irgendetwas stimmt hier nicht. Träume ich vielleicht noch?
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Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal gut geschlafen habe. Also, vor Allem: durchgeschlafen. Muss wohl vor dem Tod meiner Eltern gewesen sein.
Ich bin ein bisschen über dreißig. Meine Freundin, Entschuldigung, EX-Freundin wohnt schon seit Monaten nicht mehr hier. Also bin ich in einer viel zu großen Wohnung am Rand der Stadt allein.
Kurz nach ihrem Auszug hatten meine Eltern einen Unfall, an dem sie nicht Schuld hatten. Das Wetter war wunderschön, der Wanderweg ihnen bekannt. Gefunden wurden sie zwei Tage später viel zu weit davon entfernt. Wildfraß war nicht der einzige Grund, warum man sie schwer identifizeren konnte. Sie waren gestürzt, aber eindeutig nicht da, wo zwei Spaziergänger aus dem Ort sie entdeckten.
Obduktion ohne Befund.
Ich lege mich hin. Kann lange nicht einschlafen.
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Ich erwache durch diese doofen Vögel. Um kurz vor vier. Das Telefon vibriert. Eigentlich kann es nur mein Bruder sein. Der scheint immer dann wach zu sein, wenn ich es bin. Oder zumindest, wenn ich viel zu früh aufwache. Wie es mir geht, will er ehrlich interessiert wissen. Ich täusche grunzend Schläfrigkeit vor und lege auf. Das heißt, ich will auflegen, aber ich höre ihn flüstern.
„Was sagst Du?“ - „Sie waren da.“ Stille. Ich lege auf.
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Um Viertel vor acht weckt mich diesmal das Vibrieren an sich. Es ist meine Therapeutin. Sie sagt, sie muss überraschend weg, zu einer Krise. Ich murmle ein „OK“ ins Handy und bekomme noch mit, dass sie wohl für ein bis zwei Wochen nicht da ist. Beiderseitige Verabschiedungsfloskeln, dann legt sie auf.
Mich wundert, dass sie sich überhaupt noch meldet. Scheint vergessen zu haben, dass ich die Therapie abgebrochen habe.
Weiterschlafen wäre zwar eine Überlegung wert, aber Kaffee ruft. Schwarz, ohne Zucker.
Was jetzt? Pissen.
Hydromorphon danach. Ja, ich weiß, dass ich kein Schmerzpatient bin, es geht mir auch nur darum, es zu missbrauchen. Es geht ums High.
Ich hole den Streifen aus meinem Versteck. Meine Ex durfte von meinem teuren Hobby nichts wissen, also sind die teils rosafarbenen, teils durchsichtigen Pillen in meinem Computergehäuse. Ich drücke zwei in meine Hand, nach kurzem Überlegen folgen Nummer drei und vier. Bin ja schon abgehärtet. Vier mal acht sind 32mg. Ich öffne jede einzeln und schütte die globuliartigen, aber viel härteren Kügelchen in einen Tablettengrinder. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen, oder: damit Vergnügen überhaupt entstehen kann. In letzter Zeit entsteht mein Vergnügen nur so. Nach dem Zerreiben schnupfe ich den freigesetzten Wirkstoff zusammen mit den Bindestoffen mit einem Strohhalm auf. Die erste Wirkung tritt nach wenigen Sekunden ein.
Wer hat gesagt, „Zuerst hat man Drogen wegen seiner Probleme, dann hat man Probleme wegen seiner Drogen“?
Egal. Ich ziehe mir den Rest durch die Nase und wische das Mahlwerk und den Innenteil des Grinders mit meinem leicht speichelfeuchten Finger aus. Aufs Zahnfleisch damit.
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